Was ist das für eine Geschichte? 


Line Dancing?


Line Dancing ist wie alle anderen Formen des Tanzens eine Widerspielung von Geschichte und Kultur. Der Tanz selbst ist schon seit prähistorischen Zeiten eine Form der Kommunikation und des Selbstausdrucks. Die Menschen erfreuen sich am Tanz nicht nur als Kunstform, sondern auch als Mittel, um sich körperlich gut zu fühlen, um geistig angeregt zu werden, um Selbstachtung zu entwickeln und um andere Menschen zu treffen. Für einige ist der Tanz sogar Teil des Weges zur spirituellen Erleuchtung.


Wenn man 10 verschiedene Leute mit etwas Ahnung vom Tanzen fragt, wann Line Dancing anfing, so erhält man wahrscheinlich 10 verschiedene Antworten. Eine beliebte Meinung über Line Dancing ist, dass es kein Steckenpferd, sondern eine Tradition ist. Einige glauben, dass dieser Tanzstil starke Verbindungen zum Volkstanz hat. Im 18.Jahrhundert reisten europäische Immigranten westwärts nach Nordamerika und brachten Tänze wie die Polka und den Walzer mit sich, deren Bewegungen miteinander verschmolzen und zu etwas wurden, das Round und Square Dancing genannt wurde.


Zwischen den 1860er und 1890er Jahren passten Cowboys an der Grenze zum Wilden Westen diese mehr traditionellen Tanzbewegungen dem Country- und Westernstil an. Ihnen werden die einfachen Schritte und das Countryflair angerechnet, was die Kultur ihrer Zeit wiederspiegelt. Im frühen 19. Jahrhundert wurde der Volkstanz durch „körperliche Erziehungsprogramme“ in die Schulen gebracht. Eine große Anzahl von Jugendlichen lernte den Country- und Westerntanz, und seine Beliebtheit wuchs bei Freizeit- und gesellschaftlichen Aktivitäten.


Andere glauben, das Line Dancing in der Disco-Ära entstand. Der 1978 erschienene Film „Saturday Night Fever“ verursachte eine Tanzsensation. Als die Zeilen zwischen Pop und Country verschwammen, tat der Schauspieler und Tänzer John Travolta es 1980 mit dem Film „Urban Cowboy“ noch einmal. Dieser Film spornte eine neue Welle von Western-Mode, Western-Musik und Western Tanz an. Über Nacht tauschte man seine Polyesterhosen und Stöckelschuhe gegen Stetson-Hüte, Wrangler Jeans und Cowboystiefel ein. Mit den Medien im Rücken begann Country in den frühen 90er Jahren durch die Landbevölkerung Amerikas zu fegen. Line Dancing ging an die Vorderfront, als der Country Song „Achy Breaky Heart“ 1993 der beliebteste Song wurde. Schlaue Marketingstrategen versahen Billy Ray Cyrus und sein Lied mit einem neuen Line Dance, der über das Land fegte. Einige sagen, dass das der Wendepunkt auf der Beliebtheitsskala des Line Dancing war. Sogar vor der Disco-Ära gab es Wurzeln des Line Dancing in anderen Musikformen wie dem Rock, Rhythm and Blues und dem Soul. Die Leute tanzten den Hully Gully, Bus Stop oder den Stroll.


Heute überschreitet Line Dancing alle Grenzen. Singles genauso wie Familien sehen im Line Dancing eine gesunde gesellschaftliche Betätigung. Es gibt zahlreiche Gelegenheiten zum erholsamen Tanzen in Tanzclubs, bei gesellschaftlichen Veranstaltungen, auf Hochzeitsempfängen, bei von Schulen organisierten Tänzen, bei Studiokonzerten und Tanzwettbewerben. Line Dancing beinhaltet viele Musikstile wie Jazz, Rock, Disco, Rap, Oldies und Country.


Heutzutage wird Line Dancing als eigene Tanzkunstform betrachtet, mit seiner eigenen Terminologie und standardisierten Schritten. Die nach einem bestimmten Muster erfolgenden Tanzschritte werden normalerweise zu einer Anzahl von Takten pro Sequenz gemacht und dann wird diese Sequenz wiederholt, manchmal in eine andere Richtung. Eine Gesellschafts- und Wirtschaftskultur ist aus Country-Tanzveranstaltungen, -Wettbewerben, -Tauschzeitschriften und –Fernsehshows geworden. Die Beliebtheit dieser weitgehend akzeptierten Form des Tanzens ist auch international enorm gewachsen. Der Ursprung des Line Dancing mag nicht ganz klar sein, aber eine Sache ist schon klar: Line Dancing ist hier, um hier zu bleiben.


Text by Sheldon & Claudia Eisenhower


German Translation by Birgit Francis